Mani´s Blog

Der erste Kuss

Der erste Kuss

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Der erste Kuss ist eine neue Kurzgeschichte und erneut das Ergebnis einer Herausforderung, die den Mitgliedern der Plattform Cocyclics gestellt wurde. Dieses Mal treffen sich die Helden von Operation Cheesestorm bei einem Sportanlass zwischen Schweizer Schulen. Während dessen zwei der Hauptfiguren endlich ihren Gefühlen Ausdruck verleihen…

Der erste Kuss

Die Eishalle war zum Bersten voll. Und obwohl die Sportart nicht mehr als ein Zeitvertreib war, die von einem Psychiater erfunden worden war, um die Bewohner eines Sanatoriums zu beschäftigen, während die Ärzte Ski fuhren, zumindest wenn man der Lieblingserzählung eines anwesenden Konkurrenten Glauben schenken durfte, ging bei den Internationalen Interschulischen Curling-Meisterschaften von Zuric eine riesige La-Ola-Welle durch die Sitzreihen.

Und stoppte jäh.

Zébri, der vor Schweiß dampfte, rückte Fäustlinge, Parka und Kopfschützer zurecht, um sich auf die Situation zu konzentrieren. Am Ende des Sheets bedürften das Haus und seine Besetzer seiner vollen Aufmerksamkeit. Er wusste, sein Stein, der letzte, würde vermutlich das Spiel entscheiden, und er gab seinen Teamkameraden weiter vorn ein Zeichen mit den Nüstern. Mit ihren Besen in der Pfote standen Balloo und Caroline bereit, ihre Blicke hingen am Schnabel des vierten Spielers, des Skips, der am anderen Ende des Eiskorridors erhöht saß und sie genau fixierte. Er befand sich weit vor ihnen, genau dem Third, dem letzten Spieler, gegenüber.

Letzterer schloss seinen Huf um den Handle, an dem der allerletzte Stein hing, dem Hammer. Dieser bestand aus sommerlichem Mikrogranit und war im Spezialauftrag seines Vaters bei Vollmond auf einer entfernt gelegenen schottischen Insel herausgehauen worden.

Zébri schluckte hörbar, bevor er Anlauf nahm. Doch ein paar hundsgemeine Schweißtropfen nahmen ihm die Sicht, und er stolperte genau in dem Moment, als er seinen Hammer losschieben wollte. Dieser geriet stark ins Trudeln, das Kopfschmerzen verursachte, und völlig nutzlos war. Nichtsdestotrotz sah Touki den Verlauf voraus und gab seinen Curlern das Zeichen, einzugreifen, indem er mit seinem eigenen Besen die Richtung vorgab, in die der Hammer gleiten sollte.

Schnell wie der Blitz nahmen Balloo und Caroline die Verfolgung ihres Ziels auf. Und obwohl sich ihre Rolle darauf beschränkte, mit ihrem Mopp vor einem Bimsstein für Trolls zu wedeln, der außer Kontrolle geraten war, und herum torkelte wie jemand im Alkohol-Koma, wischten beide im Einklang. Ihnen war bewusst, dass sie für das Team und die ganze Swiz die letzte Hoffnung bedeuteten.

Die Augen des Bären trafen die der kleinen Schildkröte und verloren sich für eine Sekunde darin. Balloo hatte nur widerwillig zugesagt, mitzumachen, und auch nur in letzter Minute, um Elli zu vertreten, die bei einer Freundin ein intensives Shoppingwochenende verbrachte. Mit dem Ergebnis, dass alle Mittel erschöpft waren und für einen Rückfahrschein nicht ausreichten.

Caroline lächelte ihn mit dieser charmanten Schnute an, die den kleinen Bären für sich eingenommen hatte, ohne dass er es ihr jemals gestanden hätte. Er erinnerte sich an ihre erste Begegnung einige Monate zuvor während eines Bottelóns mit wenig Alkohol, bei dem Zébri dank seines erwachenden Talents als Zeremonienmeister fungiert hatte. Letzterer und Caroline hatten in der gleichen Schule Musikunterricht. Schnell waren sie Freunde geworden und verbrachten jede Menge Zeit miteinander, sodass Balloo viele Male mit Caroline geplaudert hatte. Je besser er sie kennengelernt hatte, desto größer war das seltsame Bedürfnis der Zugehörigkeit in ihm gewachsen, was er ihr bis jetzt noch nicht offenbart hatte.

Das Haus kam schnell näher, doch der Lauf des Hammers hatte sich nur geringfügig verändert. „Komm schon Caroline, nur noch ein paar Meter.“ Die beiden Curler schwitzten Blut und Wasser, während sie ihre Anstrengungen verdoppelten, vor allem Caroline, aber Balloo bemerkte, dass keine Silbe aus ihrer Schnauze gekommen war. Verstanden sie sich schon ohne Worte? Der kleine Bär musste lächeln.

Wie in Zeitlupe im Kino schien die Zeit stillzustehen. Unendlich träge änderte der Meteorit die Richtung … Und prallte gegen einen gegnerischen Stein. Dieser wurde aus den konzentrischen Kreisen geschleudert, während sich Zébris Geschoss weiter fortbewegte …

Die gesamte Halle hielt die Luft an.

Der Stein des kleinen Zebras stoppte direkt vor einem weiteren Stein in einer anderen Farbe. Und zwar näher an der Zielmitte.

Nur eine Sekunde später verfielen die Sitzreihen in grenzenlose Euphorie. Nur mit Mühe gelang es dem Ansager, sich im Jubel Gehör zu verschaffen.

„Das Team Touki Unterperformer gewinnt das letzte End“, brüllte er in sein Mikro. „Und die Swiz die Internationalen Interschulischen Curling-Meisterschaften 2016!“

Alle, die die Schule vertraten, unter ihnen auch Hans-Pierre, stürzten mit hochgerissenen Armen auf das Sheet.

„Sieg, Sieg wir haben, und großer Medaillon Bee Gees wir bekommen, jawoll!“, rief Touki, um seine Teamkameraden flatternd, während der hechelnde Zébri beim Herbeilaufen beinahe wieder über seine Hufe gestolpert wäre.

„Das ist so cool!“, warf er ihnen freudestrahlend entgegen. „Aber ohne unsere beiden Curler hätten wir das Spiel verloren! Selbst mit meiner Skibrille hätte ich nichts machen können!“

Mit einem Lächeln warf Balloo seinen Besen zur Seite. Zögernd trat er auf Caroline zu, dann umfasste er ihre Taille, bevor er sie herumwirbelte und seine Schnauze gegen ihre drückte. Trunken vor Glück küssten sie sich.

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