Mani´s Blog

Zébri Und Der Schlechte Witz

Zébri Und Der Schlechte Witz

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Einige von euch wissen es bereits, ich bin ein grosser Fan der französischen Plattform Cocyclics, auf welcher, unter anderem viele Schriftsteller einander helfen. Regelmässig werden Challenge ausgeschrieben und bevor eine neue veröffentlicht wird, wollte ich zu dem vorletzten zurückkommen, für welchen ich die untere Kurzgeschichte präsentiert habe. Mein Charakter „Zébri„, ein 1-Meter grosses Plüsch-Huftier ist dieses Mal der Hero, ein Hero mit einer gewissen Furcht vor Haustieren – fleischfressenden Haustieren :mrgreen:

Zébri Und Der Schlechte Witz

Zébri schritt vorsichtig voran.

Es behagte ihm nicht, abends allein nach Hause zu gehen, denn auf seinem Weg lauerten zahlreiche Fallen, das wusste er. Mitten im Winter wurden die Hügel rundum rasch von der Finsternis eingenommen, und die Gefahr war nie weit entfernt. Er warf hektische Blicke um sich und versuchte, seine langen Ohren zu strecken, die wenig elegant herabhingen, sobald er ängstlich war.

Undefinierbare, einem Knurren nicht unähnliche Geräusche ließen ihn auf dem ansteigenden Pfad zur elterlichen Wohnung innehalten. Zébri versteckte sich hinter einem äußerst dezenten, smaragdgrünen Abfalleimer: der ganze Stolz der Eidgenossenschaft, nachdem man sie zu tausenden an Baumgruppen aufgestellt hatte, die möglicherweise von emsigen angeleinten Tieren mit unberechenbarem Schließmuskel aufgesucht werden könnten. Ein neuer Geruch, ranzig und kräftig, aber auch seltsam vertraut kroch in seine Nüstern, den er sich nicht erklären konnte.

Todesstille legte sich über den Ort.

Trotz der Atempause war Zébri alles andere als entspannt, als er seinen Weg entlang des langen Wasserlaufs fortsetzte, der sich seit der Schneeschmelze zu einem echten Wildbach verwandelt hatte. Er fragte sich, ob es nicht klüger wäre, auf der Böschung zu laufen, um seine Spuren zu verwischen, verwarf aber die Idee wieder, als er an einen möglichen Niesanfall und der anschließenden zwingenden Behandlung mit Nüstervoll dachte. Sein Schulranzen war schwer, dennoch nahm er seinen Mut zusammen und legte noch einen Zahn zu.

Er wusste, dass er nicht mehr allein war.

Erneut drang ein Knurren an sein Ohr. Heiser, kehlig, unheilverkündend.

Und nicht enden wollend.

Er wandte den Blick ab und bemerkte plötzlich im Schein einer der Laternen am Wegesrand, die für seinen Geschmack viel zu weit wegstand, zwei helle Punkte im Gestrüpp. Das Phänomen wiederholte sich hunderte Male, als würde jemand einen Schalter betätigen, und Zébri begriff, dass er umzingelt war.
Nein, seine Kampfkunst würde hier nichts ausrichten, also begann das kleine Zebra zu rennen, bis es keine Luft mehr bekam. Mühsam trennte es sich von seiner Last und registrierte ein halbes Dutzend Sardinen von eher zweifelhafter Frische, die daran hafteten. Von neuer Hoffnung erfüllt warf Zébri sie mit aller Kraft Richtung Verfolger. Schneller, schneller!, spornte er sich innerlich an, während die Monstrosität immer näher kam. Wie ein Schwarm tauchten ihre tentakelähnlichen Bestandteile von überall auf: aus dem Inneren der Wohnungen auf seinem Weg, zwischen den Häusern selbst. Sie vereinigten sich zu einer langen Welle, kamen immer näher wie eine unbezwingbare Schlange. Verbissen ließen die Wassertentakel nicht von ihrem Opfer ab, und Zébri spürte die Anwesenheit hungriger Kreaturen und wiederholtes Kratzen an seinen schlanken Beinen. Das kleine Zebra verlor schnell an Boden, gleichzeitig schwand seine Hoffnung, als das Ding schließlich nach ihm griff.

Alles wurde schwarz.

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Zébri schreckte aus dem Schlaf hoch, schwer atmend und in vollem Bewusstsein. Er lag in seinem Zimmer, das von einem Nachtlicht schwach beleuchtet wurde. Sein kiwiPhone auf dem Nachttisch zeigte in großen Ziffern die Uhrzeit an. Da erregte das Datum seine Aufmerksamkeit. Mittwoch, der 1. April. Reflexartig berührte er mit einem Huf sein Rückgrat, fand aber nichts. Beruhigt und mit einem Lächeln voller Glückseligkeit auf dem Gesicht atmete er tief durch und wischte sich über die Augen. Er troff vor Schweiß.

Was für ein böser Traum …

Ein stinkender und erstaunlich vertrauter Geruch riss ihn unerwartet aus seinen Träumereien. Er zog die Decke beiseite, die ihn halb bedeckte, und tastete ringsum sein Bett ab auf der Suche nach seiner Lesebrille. Vermutlich hatte er vergessen, sie abzunehmen, bevor er vor Langeweile über seinem Lateinlehrbuch zusammengesunken war.

Und beendete seine Geste nicht.

Pures Grauen erfüllte ihn, als er unter seinen Hufen einen Haufen kleiner vereister Gegenstände ertastete, eher lang denn breit und eckig. Zwei große hervorstechende Augen tauchten plötzlich neben ihm auf, und eine Stimme erklang.

Die der Dämonin, die zuweilen seine Träume heimsuchte.

Langsam drehte er sich zu ihr um, unfähig, auch nur eine Silbe herauszubringen. Das Gesicht des Sukkubus war das einer Katze mit unheimlichen Augen, dessen Körper mit schwarzem Fell überzogen war. Die Dämonin streckte eine mit scharfen Krallen versehene Pfote nach ihm aus, während sie mit unheilvoller Stimme immer wieder seinen Namen wisperte.

Zébri brüllte.

Und schallendes Gelächter antwortete ihm.

Plötzlich umfingen ihn heilbringende Lichtstrahlen, und Zébri bemerkte die Fischstäbchen, die überall auf seinem Bett verteilt lagen. Dann erblickte er seine Geschwister direkt vor ihm, die mit dem alten Pelz eines schwarzen Panthers herumwedelten. Zwei daran befestigte Taschenlampen verliehen ihm so etwas wie Leben.

Zébri stürzte sich auf seine Brüder und seine Schwester, fest entschlossen, es ihnen mit gleicher Münze heimzuzahlen.

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Draußen vor dem Fenster leckte eine riesige Miezekatze mit gänzlich schwarzem Fell ihre Krallen, in Erwartung einer ansehnlicheren Mahlzeit …

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